Kurzsichtige Kinder
Ab wann ist ein Kind myop?
Kinder wachsen – und mit ihnen wachsen auch die Augen. Genau deshalb ist es wichtig, mögliche Sehfehler bereits frühzeitig zu erkennen. Schon im Kleinkindalter kann ein Screeningtest helfen, Risikofaktoren für entstehende Fehlsichtigkeiten wie Myopie und andere Sehstörungen aufzudecken.
Bereits im Babyalter überprüfen wir kindgerecht, spielerisch und völlig berührungslos mithilfe eines Ophthalmoskop und Skiaskops ob eine Fehlsichtigkeit vorliegt.
Ergänzende Augenfunktion-Tests in der Vorschulzeit geben zusätzlich Aufschluss über die Sehfunktionen Ihres Kindes. So können Sehstörungen früh erkannt und rechtzeitig gezielt behandelt werden – für eine gesunde Sehentwicklung von Anfang an.
Wie wird die Anlage einer fortschreitenden Kurzsichtigkeit erkannt?
Bereits ab dem 4. Lebensjahr können wir im Rahmen einer Eingangsuntersuchung mit dem Myopia Master, dem internationalen Goldstandard in der Myopie-Diagnostik, bei ihrem Kind die Augenlänge berührungslos messen.
Die gemessene Augenlänge wird anschließend mit der altersentsprechenden Normkurve verglichen. Auf dieser Basis lässt sich frühzeitig abschätzen, ob ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer fortschreitenden frühkindlichen Myopie besteht.
In der folgenden beispielhaften Grafik sind die Augenlängen bei einem 8-jährigen Kind angezeigt, welche über der altersgerechten Normkurve liegen. Beide Augen sind zu lang, es besteht eine frühkindliche Myopie.
Die Voruntersuchung ermöglicht eine frühkindheitliche Aufdeckung der fortschreitenden Myopie und kann zur rechtzeitigen Einleitung wirksamer Therapie-Maßnahmen genutzt werden. Mit Sicherheit wird die Sehkraft und die Augengesundheit ihres Kindes kontrolliert.
Wie entsteht Myopie und welche Risikofaktoren beeinflussen das Fortschreiten der Myopie?
Genetische Faktoren
Studien zeigen, dass etwa 60–80 % des Myopie Risikos genetisch bedingt sind. Haben ein oder beide Elternteile Myopie, ist das Risiko für Kinder deutlich erhöht.
Umwelt- und Lebensstilfaktoren Lange Naharbeit (Lesen, Smartphone, Tablet, Bildschirm) besonders bei zu kurzem Leseabstand unter 20 cm begünstigen zu 20-40 % das Fortschreiten der Myopie
Tageslichtmangel
Tageslicht stimuliert die Dopaminfreisetzung in der Netzhaut, die das übermäßige Augenlängenwachstum hemmen kann. Deshalb sollte ihr Kinder sich mindestens 2 Stunden täglich im Freien aufhalten um Vitamin-D-Mangel zu verhindern. In den Wintermonaten empfehlen wir die Einnahmen von Vitamin D3 mit K2.
Die angeführten Risikofaktoren können ein verstärktes Längenwachstum des Augapfels bei ihrem Kind auslösen.
In der nachfolgenden WHO-Abbildung werden die strukturellen Veränderungen am Augenhintergrund dargestellt. Mit der Längenzunahme des Augapfel steigt die Dioptrien an und damit der Risikofaktor für Augenerkrankungen, wie Netzhautablösung, Makuladegeneration, Glaukom und Katarakt.
Warum wächst das myope Auge?
Das Prinzip des Augenlängenwachstums wird im nachfolgendem oberen Bild verdeutlicht. Beim peripheren Lichteinfall sammeln sich die Lichtstrahlen hinter der Netzhaut und es entsteht eine hyperope Defokussierung der Bildschale. Dieser Stimulus gibt die Information an das Sehzentrum weiter, um die Bildunschärfe auszugleichen. Das Auge wächst zum Ausgleich der Fehlsichtigkeit, dieses Phänomen ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich erwiesen. Im deutschen Ärzteblatt wurde von Lagrèze (2017) folgendes zitiert: „die Netzhaut kann das Augenlängenwachstum durch Auswertung der Bildschärfe oder Bildunschärfe selbst steuern“.
Die untere Abbildung zeigt ein myopes Auge mit einem durch die Ortho-K-Linse verformten Hornhautepithel. Dort entsteht das Bild vor der Netzhaut, das zu keinem provokativen Wachstumsstimulus führt. Das heißt: Das Ausgenlängenwachstum wird gehemmt.
Welche Folgen hat die Myopie ?
Risikofaktoren der Myopie
Zu den Risiken einer hohen Myopie zählen verschiedene Sekundärerkrankungen. Dazu gehören insbesondere die Netzhautablösung, das Glaukom (Grüner Star) – eine multifaktorielle Erkrankung des Sehnervs, häufig, aber nicht immer, mit einer Erhöhung des Augeninnendrucks verbunden, sowie der Katarakt (Grauer Star).
Ein weiteres schwerwiegendes Risiko ist die myopische Makulopathie: Durch die übermäßige Verlängerung des Augapfels kommt es zu strukturellen Veränderungen an der Netzhaut, insbesondere im Bereich der Makula, was zu einer deutlichen Sehbeeinträchtigung bis hin zur Erblindung führen kann.
Je höher die Myopie umso höher der Risikofaktor für eine Sekundärerkrankung